Gesamtheitliche Ausbildung

Im Video zu sehen ist der 18 Monate alte Hund Alois du Baudet Rouge und mein Bruder Christof Berensmann. Trainingsinhalte sind Kommunikation, Konditionierung und Verstärkung unter optimaler Trieblage.

Maximaler Trieb versus Optimale Trieb

Wenn es darum geht die Verhaltensbildung beim Hund zu trainieren ist man gut beraten im Bereich “optimaler Trieb” zu arbeiten. Warum?

Maximaler Trieb erzeugt einen Erregungszustand im Hund der fast automatisch zum Kontrollverlust führt. Der Hund lernt sehr viel schlechter, der Trieb steht ihm im Weg. Die Signalkontrolle (Hörzeichen) des Hundeführer bekommt einen straffenden Charakter. Sein überschwängliches Handeln wird durch Zwangsmaßnahmen bzw negative Reize begleitet die eine denkbar schlechte Lernatmosphäre schaffen.

Ganz anders sieht es beim optimalen Trieb aus. Manchmal ist etwas weniger etwas mehr. Beim optimalen Trieb behält der Hund die Übersicht. Diese wiederum schafft Handlungssicherheit. In diesem Zustand bekommt die Signalkontrolle (Hörzeichen) des Hundeführer reinen Informationscharakter für den Hund. Der Hund lernt sehr viel schneller.

Schutzdienst Training – Pressing Modell

Helmut Raiser sagt folgendes: „Trieb und Technik stehen bei den Prüfungskriterien im Antagonismus: Perfekte Technik würgt den Trieb ab, perfekter Trieb steht im Konflikt mit der Technik. Dies haben wir im Ausbildungsprozess zu berücksichtigen, und nur der Trieb der vorhanden ist, kann auch kanalisiert und modelliert werden. Bei alledem ist Konflikt der Motor.“

Dieser Tatsache kann man sich wohl nicht verschließen, aber wie man damit umgeht kann sehr unterschiedlich sein. Meine Vorstellung der Ausbildung des Hundes ist die, dem Hund zu lernen, je nach Situation seinen Konflikt in ein aktives Aggressionsverhalten oder ein aktives Unterordnungsverhalten zu lösen. Er lernt so den Helfer aber auch den Hundeführer zu kontrollieren und bekommt den Eindruck alle tanzen nach seiner Pfeiffe.

Viel wichtiger aber scheint mir der Umstand das man jederzeit einen Hund hat dessen Aktivitäten weder von der Reizlage eines Helfers, noch von der Aussicht einer Belohnung in Abhängigkeit steht. Ein intrinsisch motivierter Hund und ein harmonisches Arbeiten mit dem Hund als Teampartner stehen im Vordergrund.

Die 3 Phasen einer IPO Schutzdienst Training Session

Der Mensch muss begreifen, dass der Hund nur dann „Fehler“ macht, wenn er die Hilfe nicht verstanden hat, er abgelenkt ist, das Verlangte zu häufig wiederholt wird oder der Hund überfordert ist. Er muss auch wissen, dass solche „Fehler“ und scheinbarer Ungehorsam auch aus körperlichen und gesundheitlichen Mängeln oder aus früherer Überforderung entstehen können.

Helmut Raiser hat das schon vor Jahren gut erklärt und seit dem bin ich bemüht das zu berücksichtigen. Eine Schutzdienst Session wird dabei in 3 Phasen aufgeteilt.

1) Die Eröffnungphase:
Hier wird der Hund auf Betriebstemperatur gebracht. Es werden einfache und vom Hund bereits erlernte Verhaltensweisen abgefragt. Der Hund sollte in der Eröffnung keine Probleme haben. Es wird operant Konditioniert und positiv bestärkt.

2) Der Mittelteil:
Hier findet die eigentliche Ausbildung statt. Der Hund lernt vor allem mit Konflikten und Problemen umzugehen. Ziel ist es den Hund in seiner Motivation zu stärken. Es wird klassisch Konditioniert, man kann auch von einer Lernfixierung durch Konflikt sprechen.

3) Die Endphase:
Zum Ende einer Session wird der Hund psychisch und physisch ausgepowert oder überlastet sein. Genau wie in der Eröffnungsphase werden dem Hund nun keine Probleme mehr gemacht.