Lockmotivation – Fluch oder Segen?

Eines gleich mal vorneweg. Ich mag es eigentlich gar nicht über Lockmotivation zu trainieren. Der Grund dafür ist ganz einfach. Der Hund arbeitet so nur für die Belohnung, das Futter oder den Ball, aber nicht wirklich für den Hundeführer. Ganz zu schweigen davon, dass sich die Motivation des Hundes für die Belohnung ganz schnell abnutzt, gibt es noch andere elementare Gründe. Die Arbeitsbereitschaft steht in Abhängigkeit zu der Laune des Hundes, man ist darauf angewiesen das er auch daran glaubt seine Belohnung zu bekommen, und das steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit der klassischen Konditionierung, dem erlernen von Triebstimmungen in bestimmten Örtlichkeiten. Ein Hund der über Lockmotivation gearbeitet wird kann auf dem eigenen Platz ganz wunderbar funktionieren, aber auf einem für den Hund fremden Platz kann das schon ganz anders aus sehen. Auch für konkurierende Reizlagen ist der Hund oftmals mehr empfänglich, er ist schneller unkonzentriert und abgelenkt, was ein zuverlässiges Arbeiten fast unmöglich macht.

Die Alternative ist, dass man dem Hund von Anfang an lernt, in Konkurrenz zur Triebbestätigung (Belohnung) sein Handeln ausrichtet. Das beinhaltet die Verstärkung von Verhalten sowohl über positive als auch negative Elemente. Dadurch wird eine tragende Verbindung zwischen dem Hund und dem Hundeführer installiert. Die erlernten Verhaltensweisen sind stabil und können zuverlässig abgerufen werden.

Warum ich trotzdem auch über Lockmotivation trainiere.

Der Grund dafür ist genauso banal wie effektiv. Es gibt Hunde die von ihrer Veranlagung her Defizite haben die ein Training über die Abgrenzung zur Triebbestätigung einfach nicht zulassen. Sie sind dann zu schnell belastet und reagieren mit Passivität und Unlust, etwas das wir bei der Ausbildung überhaupt nicht gebrauchen können. Manchmal ist etwas weniger etwas mehr, und wenn ich über das Locken den Hund dazu bekomme das er zumindest temporär eine motivierte und engagierte Performance leisten kann, dann ist es mir recht. Auch auf Kosten einer gewissen Unzuverlässigkeit bei der Arbeit, im Training und auf Prüfungen.